Dein Dach erzeugt Strom – und dein Auto kann ihn nutzen. PV-Überschussladen bringt beides zusammen: Es verschiebt die Ladung in Zeiten, in denen nach dem Hausverbrauch Sonnenstrom übrig bleibt. So wird dein E-Auto zu einem weiteren Nutzer deiner vorhandenen PV-Anlage. Dieser Leitfaden zeigt dir Schritt für Schritt, welche Messung, Wallbox und Verbindung zu deinem Alltag passen.
Was ist Überschuss – und wo wird er gemessen?
PV-Leistung allein ist noch kein verfügbarer Überschuss. Erzeugt das Dach 5 kW und verbrauchen Haus und Speicher zusammen 3 kW, bleiben zunächst 2 kW für einen weiteren Verbraucher. Läuft die Wallbox schon, steckt ihre Last ebenfalls in der Netzmessung; eine Regelung muss das berücksichtigen, statt den sichtbaren Export einfach nochmals als Ladeleistung zu verwenden.
Ein geeigneter Zähler am Netzanschlusspunkt erfasst Bezug und Einspeisung über die relevanten Phasen. Er kann bereits Bestandteil der Wechselrichterinstallation sein oder separat nachgerüstet werden. Ein Zähler nur an der Wallbox kennt zwar die Autoladung, aber nicht die Bilanz des gesamten Hauses. Auch ein Steckdosenmessgerät ersetzt keine Hausanschlussmessung.
Prüfe deshalb nicht nur, ob dein Wechselrichter „Daten liefert“, sondern ob der tatsächliche Netzfluss lokal, vollständig und regelmäßig verfügbar ist. Eine Anzeige mit altem Zeitstempel ist keine aktuelle Messung. Mehr dazu im Stromzähler-Vergleich.
Warum das Auto nicht mit beliebig wenig Sonne lädt
Beim üblichen AC-Laden beträgt der Mindeststrom in der Regel 6 A. Bei angenommenen 230 V ergibt das rund 1,4 kW auf einer Phase und 4,1 kW auf drei Phasen. Einzelne Kombinationen aus Auto und Wallbox brauchen mehr. Diese Werte sind Größenordnungen, keine Startzusage für deine Anlage.
Automatische 1-/3-Phasenumschaltung kann das nutzbare Sonnenfenster vergrößern. Sie braucht aber passende Hardware, Fahrzeugfreigabe und einen unterstützten Steuerpfad. OCPP-Unterstützung allein beweist keine elektrische Phasenumschaltung. Herstellerbedingungen, Ladepausen und Wiederanlauf des Autos müssen beachtet werden. Der Phasenartikel behandelt das im Detail.
Vier Voraussetzungen für eine Nachrüstung
- Messung: Ein geeigneter Netzflusswert, dessen Messpunkt, Vorzeichen und Aktualität bekannt sind. Zusätzliche PV-Quellen und Speicher dürfen nicht doppelt gezählt werden.
- Steuerbare Wallbox: Eine dokumentierte Schnittstelle für Stromvorgabe und Start/Pause. Modell, Hardwareversion und Firmware zählen mehr als der Markenname.
- Verbindung: Erreichbare lokale Geräte, der erforderliche M5Stack ATOM S3R und eine funktionierende Internetverbindung zur betreuten PV-Flow-Cloud.
- Verfügbarkeit: Das Auto muss während ausreichender Erzeugung angeschlossen sein und Ladung akzeptieren. Fahrzeugtimer und Ladelimits können die Freigabe übersteuern.
Ein eigener Hausakku ist keine Voraussetzung. Ebenso kann grundlegendes Überschussladen ohne Fahrzeugcloud funktionieren: Die Wallbox regelt die Stromaufnahme, während das Auto selbst über seine zulässige Aufnahme entscheidet. Zusätzliche Fahrzeugdaten wie der Ladezustand haben eigene Modell- und Cloudvoraussetzungen; daraus folgt keine universelle automatische Prozentabschaltung.
Was bei PV-Flow lokal ist – und was nicht
Der ESP32-Controller ist eine lokale Brücke. Er liest bei passenden Integrationen Wechselrichter oder Zähler über das Heimnetz aus und führt Befehle aus. Die Auswertung und Laderegelung laufen im PV-Flow-Backend, nicht autonom auf dem ESP32.
Lokale Modbus-/HTTP-Anbindung kann den Umweg über eine Herstellercloud vermeiden. PV-Flow selbst bleibt ein Cloud-Dienst. OCPP 1.6J verbindet die Wallbox mit dem PV-Flow-Dienst; Easee nutzt einen Herstellercloudpfad. Optionale Fahrzeugdaten über Enode und Tibber-Preise sind weitere externe Verbindungen. Bei Verbindungsausfall darfst du weder fortgesetzte Optimierung noch einen garantierten physischen Ladestopp voraussetzen: Die Wallbox kann einen früheren Zustand beibehalten. Eine App-Aktion ist kein elektrischer Not-Aus.
So bereitest du deinen Einstieg vor
Notiere die exakten Modellbezeichnungen von Wechselrichter, Zähler, Wallbox und Auto sowie deren Firmware. Die Geräteanleitungen führen dich zur passenden Schnittstelle und den benötigten Messwerten. Gleiche diese Angaben mit deiner Anlage ab, bevor du den erforderlichen ATOM S3R bestellst.
Die Einrichtung im Überblick zeigt Controller, USB-Flash und WLAN. Nach der Registrierung begleitet dich die Einrichtung in der App. Beginne mit Monitoring und plausiblen Messwerten; erprobe dann eine Ladung unter Aufsicht. Installationsarbeiten an Netzspannung, Wallbox oder Zählerschrank gehören in die Hände einer Elektrofachkraft. Der Funktionstest vor Ort ergänzt die dokumentierten Schnittstellen.
Was du finanziell erwarten kannst
Selbst genutzter Solarstrom ist nicht automatisch kostenlos: Du verzichtest auf Einspeiseerlöse. Entscheidend ist die Differenz zum vermiedenen Netzpreis, abzüglich zusätzlicher Kosten. Der Kostenartikel und der Szenariorechner trennen allgemeinen PV-Nutzen von einem hypothetischen Softwaremehrwert.
