Du möchtest dein E-Auto mit dem Strom vom eigenen Dach laden. evcc und PV-Flow bieten dafür unterschiedliche Betriebsmodelle: eigene Softwareinstallation oder betreute Cloud mit lokaler Geräteanbindung. Dieser Vergleich hilft dir, die Lösung zu finden, die zu deiner vorhandenen Hardware und dem gewünschten Aufwand im Alltag passt.
Self-Hosting und betreute Cloud
evcc lässt sich nach seiner offiziellen Dokumentation unter anderem auf einem Raspberry Pi, in Docker, in Home Assistant oder auf einem Linux-System installieren. Einrichtung und Betrieb erfolgen in deiner eigenen Umgebung. Das bietet Kontrolle und Integrationsmöglichkeiten, setzt aber passende Hardware, Konfiguration und einen gepflegten Betrieb voraus.
PV-Flow verbindet lokale Geräte über einen ESP32-Controller mit einem betreuten Backend. Der Controller liest Daten und führt Befehle aus; die Auswertung und Laderegelung liegen in der PV-Flow-Cloud, nicht autonom auf dem ESP32. Du betreibst keinen eigenen Regler-Server, brauchst aber Internet sowie einen passenden und korrekt eingerichteten Gerätepfad.
| Entscheidungspunkt | evcc | PV-Flow |
|---|---|---|
| Softwarebetrieb | Eigene Installation, verschiedene Plattformen | Betreutes Cloud-Backend mit lokaler Bridge |
| Betriebspflege | Abhängig von deiner Installation und Unterstützung | Cloudbetrieb/Softwareupdates durch PV-Flow; Heimnetz und Hardware bleiben vor Ort |
| Geräteanbindung | Geräteabhängig lokal oder über externe Dienste | Lokale Modbus-/HTTP-Wege, OCPP zum Dienst und adapterabhängige Cloudwege |
| Hardware | Eigener Host oder bestehende Plattform und geeignete Geräte | Erforderlicher M5Stack ATOM S3R und passende Bestandsgeräte |
| Kosten | Host, Betrieb und gegebenenfalls Sponsor-Token | ATOM S3R einmalig und gewählter Premium-Plan |
| Bei Internetausfall | Verhalten abhängig von Gerät und lokalem/Cloudpfad | Keine autonome vollständige ESP32-Regelung zugesichert |
„Open Source“ heißt nicht jede Integration ohne Kosten
evccs Code ist öffentlich verfügbar. Die offizielle Sponsorship-Dokumentation erklärt jedoch, dass viele kommerzielle Wallboxen einen Sponsor-Token benötigen; es gibt Ausnahmen und zeitlich begrenzte Testmöglichkeiten. Dazu kommen dein Host, Stromverbrauch und gegebenenfalls Einrichtungsaufwand. „evcc kostet immer null“ wäre deshalb kein fairer Vergleich.
Bei PV-Flow bietet Free das Live-Energiedashboard. Premium ergänzt automatische PV-Laderegelung und Ladestatistiken; die Bezahlung erfolgt über Stripe auf der Website. Die Preise auf der Startseite zeigen die aktuellen Pläne. Die Kostenmethodik hilft dir, Abo, erforderlichen ATOM S3R und möglichen Mehrwert mit deinem bisherigen Ladeverhalten zu vergleichen.
Lokal ist nicht automatisch vollständig cloudfrei
Beim evcc-Selbstbetrieb kann eine lokale Geräteintegration im Heimnetz bleiben. Werden Hersteller- oder Fahrzeugclouds verwendet, bestehen dennoch externe Abhängigkeiten. Die Aussage „evcc ist immer vollständig cloudfrei“ wäre zu weitgehend.
Bei PV-Flow kann die lokale Wechselrichter- oder Wallboxschnittstelle den Umweg über eine Herstellercloud vermeiden. Der PV-Flow-Dienst selbst bleibt notwendig. Easee, optionale Enode-Fahrzeugdaten und Tibber sind gesonderte Cloudpfade; OCPP 1.6J verbindet die Wallbox mit dem PV-Flow-Dienst. Die Reaktion auf Verbindungsausfall hängt vom konkreten Gerätepfad ab – weder Weiteroptimierung noch physischer Stopp sind universell garantiert.
Kein belastbarer Sieg durch Regler-Schlagworte
Die ältere Version dieses Artikels stellte evcc als geschlossenen und PV-Flow als offenen Regler dar. Das beschreibt den heutigen Softwarestand nicht ausreichend: PV-Flow verwendet für die laufende Stromregelung inzwischen eine gedämpfte inkrementelle Rückkopplung; Start-/Stop- und Phasenschwellen haben weitere eigene Logik.
Aus „offen“ oder „geschlossen“ folgt ohnehin kein Praxissieg. Messaktualität, Fahrzeugverhalten, Netzwerklatenz und die tatsächliche Installation sind entscheidend. Ein schneller Softwaretick ersetzt keinen frischen Netzleistungswert. Ohne vergleichbaren Hardwareversuch behaupten wir weder bessere Regelgüte noch höhere gemessene Ersparnis.
Für wen passt welcher Ansatz?
Wenn du einen eigenen Host bereits betreibst, detailliert konfigurieren möchtest und die Betriebspflege übernehmen kannst, ist evcc ein naheliegender Kandidat. Wenn du keinen eigenen Server betreiben und stattdessen lokale Hardware mit einer betreuten Cloud verbinden möchtest, kann PV-Flow passen. Prüfe zuerst dein konkretes Setup, statt erst das Produkt zu wählen und dann Kompatibilität anzunehmen.
Die Kompatibilitätsübersicht trennt dokumentierte Integrationen von modellabhängigen Voraussetzungen. Der openWB-Vergleich betrachtet den anderen Ansatz einer dedizierten Energie-/Ladeinstallation.
